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Zeitmanagement ohne Heldentum: So schaffst du, was zählt

· 10 Min. Lesezeit

Ein Straßenkünstler mit Brille jongliert mit orangefarbenen Bällen
Foto: Yi Liu auf Unsplash

Die ehrliche Antwort auf „Wie schaffe ich das alles?“ lautet: gar nicht. Aber du kannst das Wichtige schaffen und den Tag beenden, ohne dass er an dir vorbeigerauscht ist. Regeln, Methoden und Bücher, ganz ohne Heldentum und Nachtschichten.

Die To-do-Liste ist länger als der Tag, und der hat immer noch 24 Stunden, egal wie viele Leute schon um ein paar mehr gebeten haben. Irgendwo zwischen Job, Uni, Haushalt und Schlaf müsste eigentlich auch noch das Leben Platz finden. Tut es aber irgendwie nicht.

Damit das gleich klar ist: Alles zu schaffen, geht nicht. Ginge es, würde niemand nach diesem Artikel suchen. Du kannst aber das Wichtige schaffen, ohne am Schlaf zu sparen, und abends nicht mehr das Gefühl haben, dass dir der Tag durch die Finger geronnen ist. Genau dafür ist Zeitmanagement da.

Was Zeitmanagement eigentlich ist

Zeitmanagement heißt: entscheiden, wofür du deine Zeit verwendest, und das Entschiedene dann auch durchziehen. Es geht nicht darum, noch mehr Aufgaben in den Tag zu quetschen, sondern darum, auszuwählen, welche überhaupt hineinkommen. Oft sagt man auch Selbstorganisation dazu, und das trifft es sogar besser: Die Zeit läuft ohnehin, organisieren kannst du nur dich selbst.

Der britische Journalist Oliver Burkeman erinnert in seinem Buch „4000 Wochen“ an eine einfache Rechnung: Wer 80 Jahre alt wird, lebt etwas mehr als viertausend Wochen. Dinge, die du gern erledigen würdest, wird es immer mehr geben als Wochen dafür. Gutes Zeitmanagement ist deshalb keine Frage des Tempos, sondern der Auswahl.

Warum wir nie alles schaffen

Wir schätzen schlecht, wie lange etwas dauert

Die Psychologen Roger Buehler, Dale Griffin und Michael Ross baten Studierende, vorherzusagen, wann sie mit ihrer Abschlussarbeit fertig sein würden. Im Schnitt tippten sie auf 34 Tage, tatsächlich brauchten sie fast 56. Nur etwa 30 Prozent schafften es innerhalb ihrer eigenen Prognose. Sogar die Schätzung für den Fall, dass alles so schlecht wie nur möglich läuft (49 Tage), war noch optimistischer als die Wirklichkeit. Das nennt man Planungsfehlschluss, und in diese Falle tappen fast alle.

Arbeit dehnt sich aus, so weit die Zeit reicht

1955 schrieb der Historiker Cyril Northcote Parkinson für den Economist einen halb scherzhaften Essay, der mit einer Beobachtung begann: Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht. So entstand das Parkinsonsche Gesetz. Parkinsons Beispiel ist eine ältere Dame, die viel freie Zeit hat und einen ganzen Tag damit verbringen kann, ihrer Nichte eine Postkarte zu schicken. Eine Stunde sucht sie die Karte, eine weitere die Brille, eine halbe Stunde die Adresse, eine Stunde und eine Viertelstunde feilt sie am Text, und zwanzig Minuten überlegt sie, ob sie für den Weg zum Briefkasten in der Nachbarstraße einen Schirm braucht.

Eine Aufgabe ohne Frist breitet sich genauso aus.

Wir sagen zu allem Ja

Jedes Ja zu einer fremden Bitte ist ein Nein zu etwas Eigenem, nur spricht man das Nein nicht laut aus. Wenn die dringenden Aufgaben anderer Leute deinen Tag füllen, bleibt für deine eigenen wichtigen nichts übrig.

10 Zeitmanagement-Tipps für jeden Tag

1. Hol alles aus dem Kopf auf eine einzige Liste

David Allen, Autor von „Wie ich die Dinge geregelt kriege“ und Erfinder der Methode Getting Things Done (GTD), sagt gern: Der Kopf ist dazu da, Ideen zu haben, nicht, sie aufzubewahren. Was du nur im Gedächtnis behältst, meldet sich im unpassendsten Moment, meistens um drei Uhr nachts. Du brauchst eine Liste, nicht zehn Klebezettel quer durch die Wohnung. Bist du ohnehin den ganzen Tag in Telegram, kann deine To-do-Liste gleich dort wohnen.

2. Such dir die drei wichtigsten Aufgaben des Tages aus

Eine Liste mit zwanzig Punkten ist kein Plan, sondern eine Speisekarte. Wähl am Vorabend oder gleich morgens bis zu drei Aufgaben aus, mit denen der Tag ein Erfolg wäre, selbst wenn sonst nichts vorangeht. Wie du so einen Plan schnell aufstellst, mit Beispielen und Vorlage, zeigt unsere Anleitung für den Tagesplan.

3. Fang mit dem Unangenehmsten an

Brian Tracy nennt diesen Trick „Eat that Frog“: den Frosch zuerst essen. So heißt auch sein Buch, das auf Deutsch mit dem englischen Titel erschienen ist. Dabei gäbe es die passende Redewendung längst: erst mal die Kröte schlucken. Die schwerste Aufgabe kommt zuerst, solange du noch Kraft hast und bevor sie dir den ganzen Tag im Nacken sitzt. Danach fühlt sich der Rest des Tages leicht an.

4. Plan einen Puffer ein

Weil alle unterschätzen, wie lange Dinge dauern, gib jeder Aufgabe mehr Zeit, als dir nötig scheint. Bei den Studierenden mit der Abschlussarbeit dauerte es in Wirklichkeit 1,6-mal so lange wie vorhergesagt. „So lange, wie es sich anfühlt, plus die Hälfte“ ist also eine bescheidene, aber ehrliche Korrektur. Lass außerdem Lücken zwischen Terminen und Aufgaben: Ein Tag, der auf Kante geplant ist, kippt bei der ersten Verspätung.

5. Setz Fristen, auch dir selbst

Aus dem Parkinsonschen Gesetz folgt auch etwas Nützliches: Eine Aufgabe mit naher Frist hat weniger Platz, sich auszubreiten. Die Frist sollte konkret sein, „bis Donnerstag, 18 Uhr“, und nicht „irgendwann diese Woche“. Reißt du deine eigenen Fristen immer wieder, kannst du ihnen ein Preisschild verpassen. So funktioniert ein Commitment Device: eine freiwillige Selbstverpflichtung, bei der ein Rückzieher etwas kostet.

6. Trenn Wichtiges von Dringendem

Dringendes meldet sich laut, Wichtiges wartet still. Wenn das Wichtige Tag für Tag keinen Platz im Kalender bekommt, stellst du einen Monat später fest, dass die ganze Zeit fürs Feuerlöschen draufgegangen ist. Beim Sortieren hilft die Eisenhower-Matrix, dafür reicht eine Minute.

7. Bündle den Kleinkram

Anrufe, Mails, Rechnungen, Behördenkram: alles Aufgaben für fünf Minuten, aber jede reißt dich aus der eigentlichen Arbeit. Pack sie in einen Block und erledige sie am Stück, zum Beispiel nach dem Mittagessen.

8. Schütz die Zeit fürs Wichtige

Schwierige Arbeit braucht lange Strecken ohne Unterbrechung: Zwischen zwei Benachrichtigungen entsteht nichts Ernsthaftes. Cal Newport nennt das in „Konzentriert arbeiten“ Deep Work und rät, solche Blöcke vorab in den Kalender einzutragen, genau wie Meetings. Stell für diese Zeit die Benachrichtigungen ab und leg das Handy in ein anderes Zimmer. Wenn dir eine Stunde am Stück wie eine Heldentat vorkommt, fang mit 25 Minuten nach der Pomodoro-Technik an.

9. Spar nicht am Schlaf

Das klingt nicht nach einem Produktivitätstipp, und genau darin liegt der Irrtum. In einem Experiment von Hans Van Dongen und seinem Team verbrachten die Teilnehmenden zwei Wochen lang Nacht für Nacht nur sechs Stunden im Bett. Am Ende hatte ihre Aufmerksamkeit so stark gelitten wie nach ein oder zwei Nächten ganz ohne Schlaf, und sie selbst bemerkten davon kaum etwas. Die am Schlaf gesparten Stunden gehen später für langsame, zerstreute Arbeit drauf.

10. Verschaff dir einmal pro Woche den Überblick

Noch eine Gewohnheit aus GTD ist der Wochenrückblick. Einmal pro Woche, etwa am Sonntagabend, gehst du die Liste durch: Was ist erledigt, was hat sich erledigt, und was ist nächste Woche das Wichtigste? Eine halbe Stunde, und am Montagmorgen weißt du sofort, womit du loslegst.

Zeitmanagement mit Job und Familie

Mit kleinem Kind, in der Elternzeit oder wenn Job und Haushalt an dir hängen, gelten die Regeln oben auch, nur mit einer Korrektur: Dein Tagesplan sollte bescheidener sein, als es sich richtig anfühlt. Ein oder zwei wichtige Aufgaben geschafft, das ist ein guter Tag und kein Grund, mit dir zu hadern.

  • Schneide Aufgaben in Stücke von 15 bis 20 Minuten. Eine lange ruhige Phase kommt vielleicht nie, eine kurze findet sich fast immer.
  • Leg die Latte tiefer. Das Drei-Gänge-Menü und die Wohnung wie aus dem Katalog können warten. Das Wichtige gut erledigt schlägt alles perfekt erledigt.
  • Teil die Aufgaben mit den Menschen um dich herum. Eine gemeinsame Liste im Familienchat, irgendwo zwischen den Guten-Morgen-Bildern, erspart das ewige „Haben wir noch Brot?“ und das Gefühl, dass alles an einer Person hängt.
  • Erledige den Haushalt gebündelt. Einmal waschen für alles, einmal einkaufen für die Woche, einmal kochen für zwei Tage.

Zeitmanagement-Methoden im Überblick

Die bekanntesten Methoden und Zeitmanagement-Techniken auf einen Blick:

MethodeWorum es gehtHilft, wenn …
Getting Things Done (David Allen)alle Aufgaben auf Listen, einmal pro Woche der Überblickdu viele kleine Aufgaben hast
Eat that Frog (Brian Tracy)das Unangenehmste zuerstdu das Wichtige aufschiebst
Pomodoro-Technik25 Minuten Arbeit, 5 Minuten Pausedir der Anfang schwerfällt
Eisenhower-MatrixAufgaben nach wichtig und dringend sortierendu in den Eilsachen anderer untergehst
Zeitblöcke (Time Blocking)Aufgaben wie Termine in den Kalender eintragendein Tag ständig zerstückelt wird
Zwei-Minuten-Regelwas zwei Minuten dauert, sofort erledigensich bei dir Kleinkram stapelt

Die beste Methode ist die, die du auch nach einer Woche noch benutzt. Fang mit einer an und nimm die nächste dazu, wenn die erste zur Gewohnheit geworden ist.

Bücher über Zeitmanagement

  • David Allen: „Wie ich die Dinge geregelt kriege“. Der Klassiker darüber, wie du alle Aufgaben in einem System sammelst und aufhörst, sie im Kopf mit dir herumzutragen.
  • Brian Tracy: „Eat that Frog“. Ein kurzes Buch darüber, das Wichtigste zuerst anzupacken.
  • Stephen R. Covey: „Die 7 Wege zur Effektivität“. Covey hat darin die vier Felder aus wichtig und dringend gezeichnet, die man heute als Eisenhower-Matrix kennt.
  • Cal Newport: „Konzentriert arbeiten“. Über Deep Work, also lange Phasen ohne Ablenkung.
  • Oliver Burkeman: „4000 Wochen“. Das Gegengift zu allen anderen, und schon der Untertitel verrät, warum: „Das Leben ist zu kurz für Zeitmanagement“. Alles zu schaffen, ist unmöglich, und genau das ist die gute Nachricht.

Zeitmanagement in Telegram

StarDo sortiert Aufgaben von selbst in „Heute“, „Morgen“ und „Später“. Jede kann eine Frist, eine Priorität und eine Erinnerung bekommen, und Wiederkehrendes wie das Workout am Morgen stellst du einmal auf „Werktags“ oder „Täglich“. Für die Kröte, die du schon zum fünften Mal verschieben willst, gibt es das Versprechen in Telegram Stars: Damit wird Aufschieben teurer als Schlucken. Wann Geld motiviert und wann es eher bremst, haben wir uns in einem eigenen Artikel angesehen.

Häufige Fragen

Wie schaffe ich alles, ohne ständig erschöpft zu sein?

Nicht auf Kosten deines Schlafs und deiner Pausen: Schlafmangel bremst dich, ohne dass du es merkst, und die gewonnenen Stunden verpuffen. Nimm dir pro Tag höchstens drei wichtige Aufgaben vor, den Rest nur, wenn Zeit bleibt, und lass Lücken im Kalender. Wenn die Müdigkeit selbst nach ein paar freien Tagen nicht vergeht, steckt vielleicht schon ein Burnout dahinter.

Womit fange ich beim Zeitmanagement an?

Mit einer einzigen Liste. Schreib alle Aufgaben hinein, such dir die drei wichtigsten für morgen aus und gib ihnen Fristen. Weitere Methoden nimmst du nach und nach dazu, immer eine auf einmal.

Warum schaffe ich nichts, obwohl ich mir Mühe gebe?

Meistens aus drei Gründen: Du hast mehr geplant, als Zeit da ist, die Eilsachen anderer verdrängen deine eigenen wichtigen Aufgaben, und du schläfst weniger, als du brauchst. Versuch, diese Woche einen der drei Punkte zu ändern.

Du musst nicht alles schaffen. Es reicht, jeden Tag das Wichtige zu schaffen, und nach vier Wochen merkst du den Unterschied.

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