StarDo Öffnen

Burnout erkennen: Woran du es merkst und was du tun kannst

· 8 Min. Lesezeit

Ein abgebranntes Streichholz, von dem ein dünner Rauchfaden aufsteigt
Foto: 2 Bro’s Media auf Unsplash

Früher hat die Arbeit wenigstens ab und zu Freude gemacht, heute beginnt der Montag schon am Sonntagabend. Was Burnout ist, wie es sich von normaler Müdigkeit unterscheidet und was hilft, wenn man der Forschung glaubt und nicht den Kalendersprüchen.

Kaffee macht nicht mehr wach, der Urlaub ist vorbei, bevor die Erholung überhaupt anfängt, und auf die Frage „Wie läuft’s bei der Arbeit?“ würdest du am liebsten gar nichts sagen. Wenn dir das bekannt vorkommt, liegt es vielleicht nicht an Faulheit und auch nicht an deinem Charakter.

Über Burnout wird inzwischen so viel geredet, dass man es schnell als Modediagnose abtut. Dabei gibt es eine ziemlich genaue Definition, und es lohnt sich, sie zu kennen: Davon hängt ab, was du als Nächstes tust.

Was ist Burnout?

Im Jahr 2019 hat die Weltgesundheitsorganisation Burnout in ihre Internationale Klassifikation der Krankheiten aufgenommen, allerdings nicht als Krankheit, sondern als Phänomen im Zusammenhang mit der Arbeit. Nach der Definition der WHO entsteht Burnout durch chronischen Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich bewältigt wurde, und zeigt sich in drei Merkmalen:

  • Erschöpfung: das Gefühl, dass die Kraft aufgebraucht ist;
  • innere Distanz zum Job: die Arbeit löst Zynismus und Gereiztheit aus, am liebsten würdest du sie dir vom Leib halten;
  • sinkende Leistungsfähigkeit: die Arbeit gelingt schlechter als früher.

Ein wichtiges Detail: Laut WHO geht es beim Burnout nur um die Arbeit. Wenn dir in allen Lebensbereichen die Kraft fehlt, kann etwas anderes dahinterstecken, zum Beispiel eine Depression.

Burnout-Symptome: Woran du es merkst

Neben den drei Hauptmerkmalen beschreiben Menschen mit Burnout oft auch:

  • Unruhe am Sonntagabend beim Gedanken an den Montag, spätestens wenn der Tatort läuft;
  • Gereiztheit wegen Kleinigkeiten, vor allem bei der Arbeit;
  • Schlaf, nach dem du kein bisschen erholter bist;
  • den Drang, alles Berufliche aufzuschieben, selbst das Einfache;
  • das Gefühl, direkt nach dem Urlaub schon wieder Urlaub zu brauchen.

Fachleute messen Burnout mit dem Fragebogen der Psychologin Christina Maslach, dem Maslach Burnout Inventory (MBI). Ein Burnout-Test im Internet kann dir eine grobe Orientierung geben, aber keine Diagnose.

Erschöpfung, Burnout oder Depression?

Nicht jede Erschöpfung ist gleich ein Burnout. Ein kurzer Vergleich:

MüdigkeitBurnoutDepression
Betrifftdie aktuelle Belastungden Jobdas ganze Leben
Hilft Erholung?janur eine Weileallein nicht
Was tunausschlafen und ausruhendie Arbeitsbedingungen ändernärztliche Hilfe holen

Zum Urlaub gibt es sogar eine eigene Metaanalyse: Nach freien Tagen geht es Menschen tatsächlich besser, doch der Effekt verfliegt innerhalb weniger Wochen, sobald sie wieder arbeiten. Liegt die Ursache im Job selbst, beseitigt ein Urlaub sie nicht.

Wenn dir schon lange und überall die Kraft fehlt, dich nicht einmal mehr Dinge freuen, die du liebst, und Schlaf und Appetit durcheinander sind, warte nicht darauf, dass es „von allein weggeht“: Hol dir jetzt ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe. Und wenn dir Gedanken kommen, dir selbst etwas anzutun, such dir sofort Hilfe. In Deutschland erreichst du die TelefonSeelsorge kostenlos und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, in Österreich unter 142, in der Schweiz unter 143. Im Notfall wähl die 112.

Burnout-Ursachen: Warum es so weit kommt

Die Psychologin Christina Maslach, die Burnout seit den 1970er-Jahren erforscht, hat zusammen mit Michael Leiter sechs Bereiche beschrieben, in denen Job und Mensch nicht zusammenpassen können:

  • Arbeitsmenge: mehr zu tun, als zu schaffen ist, und das über Monate;
  • Kontrolle: mitreden darfst du kaum, verantworten musst du aber alles;
  • Anerkennung: deine Mühe wird weder mit Geld noch mit Lob noch mit einem schlichten „Danke“ gewürdigt;
  • Gemeinschaft: um dich herum gibt es keinen Rückhalt;
  • Fairness: die Regeln gelten nicht für alle;
  • Werte: du musst Dinge tun, die deinen Überzeugungen widersprechen.

Burnout ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist eine Reaktion auf Bedingungen, unter denen dir lange etwas Wesentliches fehlt: Erholung, Einfluss auf das, was passiert, oder Wertschätzung.

Was tun bei Burnout?

Nenn das Kind beim Namen

Burnout wird leicht mit Faulheit verwechselt, und dann treibst du dich noch härter an. Das ist, als würdest du einem erschöpften Pferd die Sporen geben: Schneller läuft es davon nicht. Wenn du unsicher bist, ob es nicht doch Faulheit ist, wirf einen Blick in die Tabelle „Faulheit, Müdigkeit, Antriebslosigkeit“.

Schreib auf, was alles auf dir lastet

Solange alles nur im Kopf ist, wirkt es endlos. Eine Liste zeigt, wie viel es wirklich ist, und damit kannst du arbeiten: Was gibst du ab, was verschiebst du, was streichst du ganz? Wie du das Wichtige herausfilterst, erklären die Regeln für gutes Zeitmanagement.

Sprich über den Job, nicht nur über dich

Die Forschung sagt etwas Unbequemes: Veränderungen an der Arbeit selbst helfen mehr als Ratschläge an den einzelnen Menschen. In einer Metaanalyse von 2017 senkten Programme, die die Arbeitsorganisation von Ärztinnen und Ärzten veränderten, Burnout deutlich stärker als Programme, die ihnen beibrachten, besser mit Stress umzugehen. In einer weiteren Übersichtsarbeit sank der Anteil der Ärztinnen und Ärzte mit Burnout nach verschiedenen Programmen von 54 auf 44 Prozent. Ein Gespräch mit deiner Führungskraft über Arbeitsmenge, Fristen und die Grenzen deiner Aufgaben ist deshalb kein Jammern, sondern Teil des Wegs aus dem Burnout.

Mach Feierabend, auch im Kopf

In der Forschung heißt das Detachment, also gedankliches Abschalten von der Arbeit: abends nicht mehr in den Arbeitschat schauen und vor dem Einschlafen nicht noch einmal die Aufgaben durchgehen. In einer Metaanalyse von 86 Veröffentlichungen mit rund 38.000 Beschäftigten berichteten Menschen, die gut abschalten können, über weniger Erschöpfung und schliefen besser. Im Alltag bedeutet das: Benachrichtigungen aus dem Arbeitschat nur während der Arbeitszeit, und nach Feierabend kommt der Laptop in die Tasche, nicht auf den Küchentisch.

Halt dich an das Einfache: Schlaf, Bewegung, Menschen

Klingt banal, aber genau das leidet beim Burnout zuerst. Ausschlafen, spazieren gehen, Menschen treffen, mit denen es sich leicht anfühlt: Das ist keine Belohnung für erledigte Arbeit, sondern die Voraussetzung dafür, dass sie überhaupt gelingt.

Hol dir professionelle Hilfe

Psychologische oder psychotherapeutische Unterstützung hilft dir herauszufinden, was genau los ist und was sich ändern lässt. Bei Anzeichen einer Depression gehört ärztliche Hilfe dazu: Burnout und Depression treten oft gemeinsam auf. Und wenn Arbeiten gerade gar nicht mehr geht, kann man dich in der Hausarztpraxis auch krankschreiben.

Eltern-Burnout

Die WHO spricht von Burnout nur im Zusammenhang mit der Arbeit, doch Forschende beschreiben auch elterliches Burnout: Erschöpfung durch die Elternrolle, emotionale Distanz zu den Kindern und verlorene Freude am Elternsein. Es hilft dasselbe: Aufgaben teilen, wenigstens kurze Pausen finden und sich trauen, um Hilfe zu bitten.

Wie du nicht wieder ausbrennst

  • Plane deine Tage mit Puffer und lass Luft für Unerwartetes. Wie das geht, zeigt die Anleitung für einen Tagesplan.
  • Nimm dir pro Tag höchstens drei wichtige Aufgaben vor, der Rest ist Kür.
  • Sag Nein zu Zusätzlichem, bevor es zur Pflicht wird.
  • Achte auf frühe Signale: Unruhe am Sonntagabend, Gereiztheit, Schlaf, der nicht erholt.

StarDo hilft dir, alle Aufgaben in einer Liste zu sammeln und zu sehen, wie viele es wirklich sind. Versprechen in Telegram Stars lässt du mitten im Burnout aber besser weg: Druck ist gerade das Letzte, was du brauchst. Ihre Zeit kommt, wenn die Kraft zurück ist.

Häufige Fragen

Ist Burnout eine Krankheit?

Nach der Definition der WHO nicht. Es ist ein Phänomen im Zusammenhang mit der Arbeit, keine Diagnose. Es kann aber zusammen mit Erkrankungen auftreten, die behandelt werden müssen, zum Beispiel mit einer Depression.

Gibt es Burnout auch im Studium?

Die WHO beschreibt Burnout nur im Job, aber die Forschung untersucht auch Burnout im Studium: Studierende erleben dieselbe Erschöpfung, denselben Zynismus und das Gefühl, dass nichts mehr gelingt. Es hilft Ähnliches: weniger Belastung, genug Schlaf und ein Gespräch mit Lehrenden oder der psychologischen Beratung der Hochschule.

Was können Angehörige tun?

Zuhören und ernst nehmen, statt „Reiß dich zusammen“ zu sagen. Im Alltag entlasten, wo es geht, und dazu ermutigen, sich Hilfe zu holen, auch ärztliche. Den Job können Angehörige nicht ändern, aber sie können dafür sorgen, dass niemand damit allein bleibt.

Wie lange dauert ein Burnout?

Das lässt sich nicht pauschal sagen: Entscheidend ist, ob sich die Bedingungen ändern, die dazu geführt haben. Bleibt der Job, wie er ist, reicht ein Urlaub meist nicht.

Burnout ist ein Signal, dass deine Bedingungen und deine Kräfte schon lange nicht mehr zusammenpassen. Hör darauf, statt es mit noch einem Kaffee zu übertönen.

StarDo ausprobieren

Kostenlos, direkt in Telegram, ohne Installation.

Alle Artikel